Zum ersten Mal in der spanischen Geschichte entscheiden sich mehr Menschen für eine Einäscherung als für eine Beerdigung. Nach Angaben des spanischen Bestattungsunternehmerverbands PANASEF wurden im Jahr 2024 etwas mehr als die Hälfte aller Verstorbenen eingeäschert: 50,1 % gegenüber 49,9 %, die noch traditionell beerdigt wurden.
Der Anstieg der Zahl der Einäscherungen hält bereits seit Jahren an, aber dies ist das erste Mal, dass die Zahl der Beerdigungen übertroffen wurde. Im Jahr 2017 lag die Einäscherungsquote noch bei etwa 38 %. Vor allem in Großstädten wie Madrid, Barcelona und Valencia ist die Einäscherung mittlerweile die Norm, während in kleineren Dörfern und auf dem Land die traditionelle Beerdigung noch häufiger vorkommt.
Laut PANASEF hängt dieser Trend mit sich verändernden Lebensstilen und Gewohnheiten zusammen. Die Menschen leben häufiger in Wohnungen, ziehen öfter um, und religiöse Traditionen spielen eine geringere Rolle als früher. Auch praktische und finanzielle Überlegungen spielen eine Rolle: Eine Einäscherung ist oft kostengünstiger und benötigt weniger Platz als ein Grab.
Dennoch bleiben religiöse Zeremonien beliebt. Etwa 86 % der Beerdigungen im Jahr 2024 hatten noch immer einen religiösen Charakter, auch wenn sich immer mehr Familien für einen einfacheren oder persönlicheren Abschied entscheiden.
Der Wandel hat auch Auswirkungen auf die Infrastruktur. Immer mehr Gemeinden investieren in Krematorien und Urnenwände, während traditionelle Friedhöfe weniger erweitert oder sogar teilweise umgenutzt werden. Die Nachfrage nach Urnen, Kolumbarien und Ascheverstreuungsplätzen wächst rapide.
Für viele Familien bedeutet diese Entwicklung auch, dass sie bewusster über ihre letzten Wünsche nachdenken. Während früher eine Beerdigung selbstverständlich war, entscheiden sich heute immer mehr Spanierinnen und Spanier aktiv für eine Einäscherung, sowohl aus Überzeugung als auch um ihre Hinterbliebenen zu entlasten.
Quelle: Agenturen





